Schicker Stromer für die Stadt
Nissan Micra E Evolve
Die sechste Serie des Nissan Micra kehrt nach vier Jahren Pause jetzt vollelektrisch zurück. Und die Japaner bedienen sich bei diesem Comeback des französischen Kultknirpses Renault 5. Nissan betreibt ja bekanntlich mit den Franzosen eine strategische Allianz. Das heißt, sie setzen auf gemeinsame Plattformen, Elektromobilität und Produktion. Den frechen Retro-Charme seines Allianz-Bruders erreicht er nicht, aber das stört nicht weiter, denn der neue Micra fällt trotzdem auf in der Einheitssuppe moderner Kleinwagen.

Besonders die Leuchten verleihen ihm seinen eigenen Charakter. Am Heck bringen plastisch ausgeformte Rundleuchten statt der vertikalen Lichtkanten des Franzosen ein deutliches Unterscheidungsmerkmal. Auch die verspielten Tagfahrlichter mit verstecktem Abblendlicht an der Front tun ihr Übriges. Die vorderen Türen werden mit konventionellen Bügelgriffen geöffnet, die hinteren über schwarze Plastikteile an der Dachsäule. Einen "digital key" zum Entriegeln per Handy gibt´s nicht.

Wir fuhren den stärksten Micra mit 150 PS/110 kW Antrieb auf die Vorderräder und 52 kWh Netto-Akku. Der 110-kW-Antrieb beschleunigt den Micra gut, lahm kommt man sich damit nirgends vor. Weder im Stadtverkehr und selbst bei moderatem Autobahntempo lässt der Vorwärtsdrang nicht zu schnell nach. Der Bordcomputer meldete Testverbräuche zwischen 13,2 bis 15,6 kWh/100 km. Damit waren gemischte Reichweiten von 300 Kilometer durchaus realistisch.
Grundsätzlich straff ausgelegt, federt der Micra durchaus kommod und ohne unfaire Härte. Weitgehend unauffällig arbeitet die ausreichend direkte Lenkung. Im Alltag ist der Nissan angenehm wendig, lebendig und sicher. Über Schaltwippen am Lenkrad kann die Rekuperation verstellt werden, in unserer Ausstattung gibt es auch One-Pedal-Drive. Nachladen geht mit maximal 100 kW bei DC-Schnellladern sowie 11 kW bei AC-Ladern. Schon das Basismodell bietet eine Wärmepumpe für die ausreichende Temperierung der Batterie sowie einen V2L-Adapter um andere Elektrogeräte laden zu können.
Renault lässt beim Radiosatelliten rechts am Lenkrad grüßen, dessen praktische Funktionen bei der Bedienung man nach kürzester Eingewöhnung gar nicht mehr vermissen möchte. Das Cockpit wurde praktisch unverändert vom Renault 5 übernommen. Verarbeitung und Materialqualität sind ordentlich. Die Sitze bieten auch bemerkenswert guten Seitenhalt.
Während man bei der Basisausstattung auf ein 7-Zoll-Instrumentendisplay schaut, gibt es ab der zweiten Ausstattung Advance schon einen 10,1-Zoll-Monitor. Das Google-basierte Infotainment arbeitet zuverlässig und ausreichend schnell. Klima, Radio, Navi und auch Sitzheizung gehorchen aufs Wort, Google Maps führt sicher ans Ziel. Alternativ lassen sich Smartphones kabellos spiegeln. Die Ladeplanung übernimmt Google Maps. Das funktioniert einfach und schnell - vor allem, wenn man die Sprachbedienung Google Assistant dafür verwendet. Zu jedem Ladestopp wird dann angegeben, bei welchem Ladestand man ankommt und wie lange man laden soll.
Der Nissan Micra ist Schick im Design, überzeugend in der Fahrdynamik, ein sympathischer kleiner Stromer für Stadt- und kurze Überlandfahrten. Langstreckentauglichkeit oder Transportqualitäten darf man von ihm nicht erwarten. Während Renault sein Modell R5 in Gelb und Grün anbietet, gibt es den Nissan in Blau und Rot. Daneben werden natürlich auch unbunte Farben angeboten.
Technische Daten: Nissan Micra E Evolve
Motor: Synchron-Elektromotor 110 kW / 150 PS, 245 Nm max. Drehmoment
Batterie: 52 kWh
Ladedauer: Wallbox AC 11 kW (20-80%) 4:30 h
DC-Schnellladung maximal 100 kW (20-80%) 0:30 h
CO2: 0 g/km
Antrieb: Vorderradantrieb, Einganggetriebe
Spitze: 150 km/h
Testverbrauch: 13,2 - 15,6 kW/h/100 km
Reichweite: 416 km (WLTP), Testbetrieb ca. 300 km
Kofferraum: 326 – 1.106 Liter
Sitzplätze: 5
Preis: ab 27.990,- €, Preis des Testwagens 34.990,- € (0% NOVA)