Elektro-Kreuzfahrtschiff
Hyundai Ionic 9 4WD Calligraphy
Mit dem Ionic 9 vervollständigt Hyundai seine Elektroflotte. Es ist das größte Hyundai SUV aller Zeiten. Mit über fünf Meter Länge, 2,7 Tonnen Gewicht und einem 800-Volt-Elektro-System ist der Ioniq 9 ein fahrender Superlativ. Eine Trutzburg auf Rädern, die sich in Innenstädten anfühlt wie ein Kreuzfahrtschiff im Baggersee. Zu haben ist er wahlweise als Siebensitzer, oder gegen Aufpreis mit sechs Einzelsitzen. In der von uns gefahrenen Topversion Calligraphy wird der Ioniq 9 ausschließlich mit Allradantrieb und 226 kW/307 PS Leistung angeboten.

Volumsmodell wird der neuner wohl nicht werden, aber die Technik rund um die 800-Volt-Architektur passt zu dem Luxus-Van. An der Schnellladesäule zieht er Strom mit bis zu 233 kW in seinen Akku. Manche Konkurrenten schaffen in der Spitze vielleicht mehr, doch hier überzeugt die Linearität: Bis 66 Prozent Akkustand liegen im Testbetrieb noch immer stabile 200 kW an. Hyundai setzt da auf eine gleichmäßige Ladekurve, 250 kW-Ladesäulen reichen um den 110 kWh großen Akku des fahrenden Schwer-SUVs in 24 Minuten wieder von 10 auf 80 Prozent zu laden.

Hyundai gibt die Reichweite seines Luxus-Stromers mit bis zu 600 Kilometer an. Auf ausgiebigen Autobahnstrecken fließt im Schnitt schon an die 27 Kilowattstunden in den Motor zum Vortrieb. Damit ergibt sich nur mehr eine Reichweite von etwa 450 Kilometer, was immer noch recht gut ist. Dynamisches Fahren ist nicht die Paradedisziplin dieses Fahrzeugs, dafür ist der Ioniq 9 einfach zu viel Auto. Aber auch Dank seines niedrigen Geräuschlevels, welches mittels Active Noise Cancelling erreicht wird, lädt er im Fahrbetrieb zum entspannen ein.
Als Fahrzeug ist der Ioniq 9 eben ein Vertreter der gemütlicheren Sorte. Sportlich ist Anders, auch wenn die 307 PS in unserem Testwagen nie Probleme hatten den Wagen ordentlich anzutreiben. Er verzichtet auf elektronisch geregelte Dämpfer, doch man kann im Alltag auch mit einem klassischen Stahlfahrwerk ohne adaptive Funktionen gut leben. Es ist straff genug, um den Ioniq 9 auch in Kurven nicht unnötig aufschaukeln zu lassen. Innerorts und wohl auch durch die 20 Zoll-Räder des Testwagens kommt der er dagegen mit harten Kanten und Kanaldeckel auf der Fahrbahn nicht ganz so gut zurecht. An- und Durchzug des Allradmodells mit zwei Motoren sind vom feinsten. Das Gewicht des Hyundai merkt man aber vor allem auf der Autobahn deutlich.
Der Ionic 9 ist eigentlich für die US-amerikanische Weiten gebaut: auf Wunsch stehen sieben Sitzplätzen neun Cupholder zur Verfügung, und alle vier Sitze der vorderen zwei Sitzreihen sind sogenannte "Relax-Sitze" und damit elektrisch verstellbar und mit ausfahrbaren Beinauflagen ausgerüstet. Dazu sind die Sitze in Reihe zwei längs verschieb- und drehbar. Bei der dritten Reihe handelt es sich um vollwertige Sitze bei denen man sogar so etwas wie Kniefreiheit genießt. Praktisch auch die längs verschiebbare Mittelkonsole deren Deckel sowohl nach vorn als auch nach hinten zur zweiten Reihe hin geöffnet werden kann.
Für einen Einkaufsbesuch, beispielsweise in einem Möbelhaus, lassen sich alle Sitzreihen umklappen. Dann erhält man mit bis zu 2.120 Litern einen Stauraum, der auch Fahrerinnen und Fahrer von Kleintransportern neidisch machen könnte. Zudem kann der Ioniq 9 bis zu 2,5 Tonnen schwere Anhänger an den Haken nehmen – wenn sein Fahrer es darf.
Technische Daten: Ionic 9 4WD Calligraphy
Motor: zwei Permanentmagnet-Synchronmotor
Systemleistung 307 PS/226 kW sowie 585 Nm max. Drehmoment
Antrieb: Einstufengetriebe, Allrad
Spitze: 200 km/h
0 – 100 km/h: 6,7 Sekunden
Batteriekapazität: 110 kWh, Lithium-Ionen-Polymer
Max. Ladeleistung: AC 10,5 kWh
DC 233 kWh
Reichweite: 600 km (nach WLTP), Testreichweite ca. 450 km
Verbrauch: 24,2 – 30,5 kWh/100 km
Kofferraum: 338 – 2.419 l + 50 l Frunk
Preis: ab 70.990,- € (2WD), Testwagen 86.990,- € (jeweils 0% NOVA)