Mit Wasserstoff gleiten – Teil 2

Hyundai Nexo

Statt einzig und allein auf das rein batteriebetriebene E-Auto zu vertrauen, gibt Hyundai der Brennstoffzelle eine zweite Chance. Nach dem ix35 Fuel Cell soll jetzt der Nexo umweltbewusste Käufer finden. Musste sich sein Vorgänger noch eine Plattform mit seinem konventionell angetriebenen Bruder teilen, basiert Hyundais Vorzeigemodell für eine bessere Effizienz, Raumökonomie und mehr Sicherheit auf einer komplett eigenen.

Anders als Honda und Toyota, die mit Limousinen emissionsfreie Kilometer sammeln, ist der Nexo, treu dem Trend, ein SUV. Das kommt in erster Linie den Passagieren zugute. Die drei Wasserstofftanks brauchen mit ihrem Fassungsvermögen von 6,33 Kilogramm (156,6 Liter) relativ viel Raum. Durch die Anordnung - einer vor und zwei hinter der Hinterachse - geht den Passagieren aber kaum Platz verloren, und die Tanks sind im Falle eines Unfalls sicher platziert. Laut Hyundai überstehen die 4,5 cm starken Wände aus Kohlefaser Aufschläge, Beschuss und Feuer ohne Probleme.

Unter dem futuristischen Blechkleid sitzen die 440 Brennstoffzellen, die aus dem gespeicherten Wasserstoff bei Kontakt mit Sauerstoff die Energie für den 120 kW starken Elektromotor generieren. Überschüssige Energie, die beim Bremsen, Ausrollen oder Bergabfahren entsteht, speichert der Nexo in einer unter dem Kofferraumboden platzierten Hochvolt-Batterie.

Das Starten des Autos gerät sogar zum Event. Den Startknopf gedrückt, und schon fährt die Brennstoffzelle lautlos hoch. Einzig ein kurzes Piepen verrät, dass es losgehen kann. 184 PS Systemleistung drücken die Passagiere spürbar in die Sitze. Dazu kommt das hohe Drehmoment von 395 Newtonmetern, das bei jeder Drehzahl anliegt. Zwischensprints machen trotz des hohen Leergewichts von fast 1,9 Tonnen so richtig Gaudi. Selbst auf der Autobahn ist der Hyundai ruck, zuck auf jeder gewünschten Geschwindigkeit.

Und wie sieht der Verbrauch aus? Auf 100 Kilometer werden 1,2 Kilogramm Wasserstoff verbraucht. Ist das sparsam? Schwer zu sagen, denn besonders viele Vergleichsmöglichkeiten gibt es nicht. Um den Umweltgedanken konsequent zu verfolgen, muss Wasserstoff langfristig aus regenerativen Energiequellen stammen.

Und auch das Tanken ist kein Problem - zumindest, wenn eine Tankstelle in der Nähe ist. Die auf 300 Kilometern verfahrenen 3,59 Kilogramm Wasserstoff waren in knapp 4 Minuten im unter 700 Bar Druck stehenden drei Carbontank im Wagenboden.

In Details ist der Nexo durchaus cool geraten ist: Die Tagfahr-LEDs vorne sind durch ein Leuchtband verbunden, die Türgriffe fahren bei Schrittgeschwindigkeit ähnlich wie bei einem Tesla in die Karosserie, die Außenspiegel sind im Prinzip überflüssig, weil der Blick nach hinten beim Blinken in den Tacho eingespielt wird. Ein Feature, das aber durchaus gewöhnungsbedürftig ist. Lässig ist das Armaturenbrett mit dem breiten Monitor für Tacho und Navi, die Mittelkonsole mit den vielen Tasten ist leider unübersichtlich.

Trotzdem darf man sich bei all der "Umweltschonung" alternativer Antriebe nichts vormachen. Die benötigten Rohstoffe vor allem für die Batterieherstellung und der Transport aller nötigen Materialien für einen Nexo erfordern einen nicht unerheblichen Energieeinsatz. Für den Grundpreis von 69.000 Euro erhalten Sie alles, was bei Hyundai in puncto Assistenz und Komfortsteigerung im Regal liegt.


Hyundai Nexo

Antrieb: Brennstoffzellen-Hybrid, Elektromotor mit 120 kW/ 163 PS,

maximales Drehmoment 395 Nm

Automatikgetriebe, Vorderradantrieb

CO2: 0 g/km

Spitze: 179 km/h

Verbrauch: 1,0 - 1,2 kg Wasserstoff/100 km

Preis: 78.000,- € (Vorsteuerabzugsberechtigt, keine NOVA)