Elektrischer Langstrecken-Luxus

28.08.2025

Polestar 4 Dual Range Long Distance

Er ist ein Hingucker aller erster Güte! Der Polestar 4 ist ein Elektro-Luxusliner mit dem sich auch auf Langstrecken ordentlich Cruisen lässt. Für den schwedisch-chinesische Hersteller ist es ein SUV-Coupe, wir finden, bei 2,08 Meter Breite (ohne Spiegel), nur 1,53 Meter Höhe und knappen 16 Zentimeter Bodenfreiheit hat er mehr von einer Schräghecklimousine. Das Design ist typisch Polestar: reduziert, mit klaren Kanten, ohne Schnickschnack und das bekannte Markengesicht mit zweigeteilten Scheinwerfern.


Ein Alleinstellungsmerkmal ist da auch die fehlende Heckscheibe: Laut den Schweden handelt es sich dabei aber um kein Gimmick: Die Designer wollten die geschwungene Dachlinie der Studie unbedingt in die Serie retten. Aufgrund des betont schrägen Heckabgangs wäre die Scheibe sowieso so geneigt gewesen, dass man hinten raus ohnehin nichts gesehen hätte. Schon auf den ersten Metern wird klar: Die Kamera als Rückspiegelersatz ist gewöhnungsbedürftig. Ein schneller Blick auf das Display sorgt für einen kurzzeitigen Knick in der Optik. Denn das Auge muss immer wieder von nah auf fern fokussieren, was anstrengend und ermüdend ist. Entfernungen sind damit schwierig einzuschätzen.


Das Topmodell Dual Range Long Distance, das wir fuhren, glänzt mit zwei Elektromotoren die zusammen 400 kW mit Allradantrieb auf die Straße bringen. Das heißt auch von 0 auf 100 km/h in 3,8 Sekunden und das ist Sportmotorrad-Niveau und lässt das Mobiltelefon regelmäßig aus der rutschigen Ladeschale fliegen. Im Unterboden des Polestar 4 steckt eine NMC-Batterie mit einer Nettokapazität von 94 kWh, die mit bis zu 200 kWh am DC-Schnelllader hängen kann. Die WLTP-Reichweite wird mit 590 Kilometer angegeben, wir schafften knapp 500 Kilometer.


Der Polestar 4 liegt auch bei hohen Geschwindigkeiten wie ein Brett auf der Straße, was auch mit seiner üppigen Breite zusammenhängt. In schnell genommenen Kurven sind kaum Wankbewegungen zu spüren, auf flotten Autobahn-Etappen hat der Crossover auch mit niedrigem Geräuschniveau überzeugt. Mit dafür verantwortlich sind wohl auch die adaptiven Dämpfer von ZF, die bei der Allrad-Variante serienmäßig verbaut sind. Aktuell verfügt der Polestar 4 über teilautonome Fahrfunktionen nach dem Level 2+, das heißt der Fahrer darf zwar für einige Sekunden die Hände vom Lenkrad nehmen, die Augen müssen aber weiterhin auf die Straße gerichtet sein.


Das betont futuristische Cockpit wird von dem 15,4 Zoll großen Touchscreen in der Mitte des Armaturenträgers und einer schwebenden Mittelkonsole dominiert, die in Kombination mit den gut ausgeformten Sitzen dafür sorgt, dass man sich gut eingepackt fühlt. In der zweiten Reihe fallen die Platzverhältnisse fürstlich aus. Vor allem die Beinfreiheit ist voll und ganz auf Oberklasse-Niveau. Auch in Sachen Kopffreiheit sieht es deutlich besser aus, als es die coupéartige Dachlinie von außen suggeriert.


Bis auf den angenehm großen und auf der Mittelkonsole angebrachten Drehregler für die Lautstärkeregulierung setzt Polestar ausschließlich auf Touch-Bedienung und Sprachsteuerung. Wenig praktisch sind auch die Tasten auf dem Lenkrad, die zwar einen physischen Druckpunkt haben, aber teils unintuitiv angeordnet und kaum beschriftet sind. Ein schönes Detail ist dafür die Ambientebeleuchtung, die verschiedenen, einstellbaren Farbthemen sind nach Planeten benannt und im Menü auch so dargestellt. Das Soundsystem von Harman Kardon inklusive zwölf Lautsprechern klingt nach Oberklasse und war durchaus druckvoll.


Kofferraum: Aufgrund der stark abfallenden Dachlinie können höhere Gegenstände aber leider nicht transportiert werden. Vor allem im hinteren Bereich, nahe der Ladekante, konnte nicht einmal ein Sixpack Mineralwasser abgestellt werden, ohne dass die automatische Heckklappe beim Schließen blockierte. eine mittige Durchreiche sucht man also vergebens.



Technische Daten: Polestar 4 Dual Range Long Distance

Motor: Zwei 200-kW-Permanentmagnetmotoren

Spitzenleistung 400 kW/544 PS, 686 Nm max. Drehmoment

Batterie: Lithium-Ionen-Batterie 100 kWh

Reichweite: 590 km (WLTP), Testreichweite 400 km

Laden: AC-Ladeleistung 11 kW

max. DC-Ladeleistung 200 kW

DC-Ladedauer (10-80%) 0:30 h (Werksangabe)

CO2: 0 g/km

Antrieb: Allradantrieb, Einganggetriebe

Spitze: 200 km/h

Testverbrauch: 18,2 - 21,7 kWh/100 km

Kofferraum: 526 – 1.536 Liter + 15 l Frunk

Preis: ab 68.990,- € (0% NOVA)