Unterwegs mit dem ersten Hybrid-Transporter

04.05.2020

Ford Tourneo Custom PHEV 1,0 EcoBoost

Ford hat den Transit Custom überarbeitet und ihm auch gleich einen Plug-in-Hybrid-Antrieb verpasst. Der Transit Custom PHEV kombiniert einen 92,9 kW (126 PS) starken Elektromotor mit einem Einliter-Dreizylinder-Benziner als Range-Extender. Das heißt, der Antrieb erfolgt stets über den Elektromotor, der Verbrennungsmotor dient nur zum Aufladen der Batterien.

Der Transit ist ja das traditionelle Lastenmodell der Firma Ford, doch um diesen großen Zweitonner geht es hier nicht. Die Custom-Modelle sind eine Nummer kleiner. Dabei ist der Tourneo Custom die Version für den Personentransport, der Transit Custom eignet sich eher für Lasten. Beide gibt es nun mit Plug-in-Hybrid-Antrieb.

Für den Antrieb sorgt ausschließlich der Elektromotor an der Vorderachse. Der Strom dafür kommt aus einem Akku, der an der Steckdose aufgeladen werden kann und dann bis zu 50 Kilometer Reichweite ermöglichen soll. Ist die Batterie leer, liefert der Turbobenziner an Bord über einen Generator Strom nach. Anders als bei den meisten Plug-in-Hybriden kann der Benziner die Achse aber nicht direkt antreiben.

Sinnvollerweise lädt man das Auto zunächst an der Steckdose auf, genau wie bei einem normalen (parallelen) PHEV. Der Anschluss dafür ist an der linken vorderen Ecke. Der Typ-2-Anschluss verrät, dass man das Auto nur mit Wechselstrom aufladen kann, nicht mit Gleichstrom an der Schnellladesäule.

Wegen der kleineren Batterie tut man sich bei Plug-in-Hybriden mit dem Aufladen aber ohnehin leichter als bei Elektroautos. Sogar wenn man an der normalen Haushaltssteckdose lädt, dauert es nur 4,3 Stunden, den 13,6-kWh-Akku zu füllen. Auch dreiphasiges Laden ist möglich, damit verkürzt sich die Ladedauer auf 2,7 Stunden.

Losgefahren wird dann mit dem geladenen Strom und das geht äußerst flott. Aus dem Stand ist ein Elektromotor kaum zu schlagen, selbst wenn er einen fast fünf Meter langen und 2,6 Tonnen schweren Transporter bewegen muss. 355 Newtonmeter Systemdrehmoment bringt der PHEV-Antrieb. Allerdings dauert es nicht allzu lange, da springt der Verbrenner vollautomatisch an, was Passagieren auch nicht entgeht. Denn der Dreizylinder beendet die Elektro-Stille dann hörbar.

Aber die Hybridmodi lassen sich auch von Hand aus einstellen. Mit einem Mode-Knopf rechts vom Lenkrad wird zwischen EV Auto, EV Jetzt, EV Später und EV Aufladen gewählt. EV Auto ist der effizienteste Modus, EV Jetzt deaktiviert den Verbrenner solange es der Ladestand erlaubt, EV Später priorisiert das Fahren mit aktiviertem Verbrenner und EV Aufladen lässt den Verbrenner zusätzlich zum Fahrstrom noch mehr elektrische Energie erzeugen, um den Ladezustand zu erhöhen.

Außerdem gibt es zwei Rekuperationsmodi: Bringt man den Automatik-Wählhebel wie gewohnt in die Stellung D, ist die Schubrekuperation (und die Bremswirkung beim Ausrollen) etwa so stark wie bei einem normalen Verbrennerauto. Daneben gibt es noch einen L-Modus, in dem stark rekuperiert wird. Nissan hat die Modi-Umschaltung im Leaf mit Pdeals am Lenkrad allerdings besser gelöst. Eine Besonderheit bei der Rekuperation ist allerdings, dass sich der Wagen damit nur auf 75 Prozent aufladen lässt.

Die elektrische Reichweite im WLTP-Zyklus liegt bei bis zu 50 Kilometer. Wir schafften im Test maximal 30 Kilometer. Übrigens schneller als mit 120 km/h lässt sich der Custom PHEV nicht bewegen. Um die Reichweite zu schonen wird bei diesem Tempo abgeriegelt. Im Testbetrieb schwankte der Verbrauch zwischen 9,1 und 11,0 Liter auf 100 Kilometer, was auch damit zusammenhing, dass wir oft auf der Autobahn mit Maximaltempo unterwegs waren und gleichzeitig die Batterie aufluden.

Laut Ford-Elektroantriebs-Chef Thomas Zenner ist ein Benziner vor allem im Teillastbetrieb ineffizient. Aber bei einem Hybriden lässt sich der Lastpunkt ja verschieben. Das heißt, der Verbrenner arbeitet dann bei höherer Last und damit effizienter.

Das Cockpit wirkt Pkw-ähnlich, man sitzt aber natürlich höher, sogar spürbar höher als in einem VW Multivan. Das Display in der Mitte zeigt ein gutes Kartenbild, die Sitzheizung macht auch Winterfahrten angenehm. Die Stärke des Custom sind natürlich die Transporteigenschaften. Beim Transit Custom PHEV bleibt der Laderaum mit seinem Volumen von sechs Kubikmetern unangetastet. Der gefahrene Tourneo Custom PHEV hatte hinten sechs noble Ledersitze in Konferenzstellung.


Ford Tourneo Custom PHEV 1,0 EcoBoost

Motor: Drehstrom-Synchronmotor - serieller Plug-in-Hybrid-Antrieb mit 1,0-Liter-Turbobenziner als Range-Extender, 93 kW / 126 PS Systemleistung, 355 Newtonmeter Systemdrehmoment bei 1.000 bis 2.250 U/min

CO2: 81 g/km

Antrieb: Vorderradantrieb, Eingang-Automatikgetriebe

Spitze: 120 km/h

Testverbrauch: 9,1 - 11,0 l Eurosuper/100 km

Preis: 63.690,- € inkl. 0 % Nova - vorsteuerabzugsfähig